Written in USA
04/28/2003 by jazz
Seit bald 2 Wochen bin ich nun unterwegs! Kaum zu glauben, wie die Zeit rast!
Aber nun der Reihe nach:
Wir haben 3 Naechte in New York verbringen muessen, da unsere Motorraeder nicht durch den Zoll gelassen wurden. Die haben hier sehr umfangreiche Kontrollen (Schmutz an den Raedern= Angst vor Maul und Klauensaeuche, Schmutz in den Tanks=Angst vor Giftgas.....). So also hatten wir Zeit, uns Manhatten etwas genauer anzusehen. Doch wie kommt man vom Flughafen nach Manhatten, ohne gleich sein ganzes Geld auszugeben?
Wir verliessen uns auf die Wegbeschreibung einer schwarzen Frau: mit dem Bus durch Queens. Naja, uns wurde schnell mulmig zu Mute und so verliessen wir den Bus. Ein Fehler, wie sich bald herausstellte: in den Strassen von Queens siehst Du live, was Dir die Gangster-Rapper bei uns auf MTV zu verstehen geben wollen: Du Weisser Mann hast hier nichts verloren! So kam es, dass wir nach 2 Minuten Queens-Luft-schnuppern hinten in einem Streifenwagen sassen, zwei schmunzelnde Fleischberge von Cops vorne und los ging die Fahrt durch Queens bis an den Bahnhof wo wir den Zug nach Manhatten nahmen.
Der Lockfuehrer erinnerte uns mit seinen gesungenen Ansagen der naechsten Station eher an einen Ferienanimator..... Und schon bald liefen wir durch die sonnigen und warmen Strassen von Manhatten! Neben den vielen Autos, Trucks, Taxis, Shops und vor allem Menschen begegnet Dir in diesen Tagen auch der Krieg in Manhattens Strassen. Plakate wie: "Wir sind mit unseren Truppen" oder "Wir sind mit Euch" oder "God safe America" und zahlreiche Flaggen saeumen die Strassen. Zufaelligerweise kamen wir auch an der Beerdigung des Reporters David vorbei. Gesprochen wird ueber den Krieg nicht, aber er ist da.
Am Abend- und den ganzen naechsten Tag- verbrachten wir im Hotel am Flughafen: im Umkreis von 1m unserers Telefons: wann kommt endlich der Anruf, dass unsere Motorraeder bereit sind? Am Mittwoch um 14 Uhr kam er! Es sollte ganze 5h dauern, bis wir, mit den Bikes, wieder im Hotel sein sollten. Das Abholen beim Cargo war aehnlich wie das Aufgeben in Frankfurt: Viel Papier, viel Warten, viele neugierige Blicke aber auch viel Hilfsbereitschaft.
Zurueck im Hotel packten wir alles zusammen, bestellten etwa zum 3. Mal beim selben home-delivery das selbe Essen -Spagetthi mit Tomatensauce- und gingen frueh schlafen: ich zumindest etwas nervoeser als auch schon.
Am Freitag ging es dann los: alles Gepaeck aufschnallen, abfahren! Raus aus dem Flughafen, raus aus New York, die erste Zahlstelle (eine gigantische Bruecke), dann die 95er Richtung Washington! Vorbei an Birmingham (oder besser gesagt unten durch:Tunnel) und weiter an diversen Zahlstellen vorbei. Nach etwa 180 Meilen hatten wir genug, suchten uns eine Unterkunft, gingen etwas feines ;-) Essen und gaben uns unseren Traeumen hin. Als Unterkunft waehlten wir ein geheiztes Inn-Hotel: waehrend der Fahrt herrschte bitterkalter, starker Wind (ca. 6 Grad) und wir hielten immer nach etwa 1h an, um uns bei Tee und Kaffee auf zu waermen.
Am Samstag fuhren wir nach Washington und sahen uns den Obelisk, die Stadt und das Weisse Haus (extrem klein im Vergleich zu den anderen Senatsgebaeuden...) an. Nach Washington ging es auf die 66er West und dann auf die 81 South. Noch immer war es stark bewoelkt, ab und zu Regen und vor allem sehr kalt. Doch wir liessen uns nicht entmutigen und steuerten gegen Abend tapfer einen Campingplatz an. Wir stellten unser Zelt auf und wollten kochen: doch erst mussten wir Gas kaufen. Gas und einige andere Dinge wie Isomatten, Kettenspray, Schrauben fuer die Batterie meines Motorrades (ok, damit Ihr das auch noch wisst: fuer den Transport der Motorraeder mit dem Flugzeug muss man unter anderem die Batterie abhaengen und also bei der Ankunft wieder anschliessen. Das geht eigentlich ganz einfach mit einer Schraube und einer Mutter pro Pol. Doch dummerweise habe ich genau eine dieser Schrauben beim anschrauben auf nimmerwiedersehen im Motorradrumpf versenkt..... und das ist wohl die wichtigste Schraube am Motorrad: ohne die laeuft nix. Philipp half mir dann, indem er die ja nun eh ueberfluessige Mutter ebenfalls versenkte. Und da kamen die hilfsbereiten Arbeiter zum Zug: sie organisierten uns eine Schraube und Mutter in etwa der richtigen Groesse (am ganzen Motorrad war keine solche zu finden!) und mit etwas druecken und quetschen hielt die Sache dann auch...) Zurueck nun zum Zeltplatz. Nach ueber 400 Meilen war es an der Zeit, meine Batterie richtig anzuschliessen...
Einkaufen ist in den USA ein Kampf: keiner kennt die Laeden und die Laeden (von denen es 100erte hat) haben nicht, was Du brauchst. Hast Du gefunden, was Du willst, musst anstelle von 1kg gleich 10kg oder anstelle von 1 Schraube gleich 100 kaufen. Kurz und gut, wir haben bis heute Montag noch kein Campinggas: doch unser Kocher funktioniert ja auch mit Benzin.
Sonntag. Wir fahren durch Virginia, kommen immer mehr in den Sueden. Die Temperatur steigt, die ersten Tiefs und schlechten Gedanken verfliegen. Nun schwitzen wir an den Tankstellen und trinken Ice-tea....
Amerika ist gewoehnungsbeduerftig... das Essen, das Shoppen, der Slang.... Aber mir gefaellt es. Vieles ist neu. Ich lese Staedtenamen, erinnere mich an gesehene Filme, an Schauspieler, an meine Jugend..... .
Wir fahren weiter durch Tennessee und erreichen so Nashville, Memphis (eine unter der Woche tote Stadt) und somit den Mississippi. Der Fluss hat mir in den 2 Tagen, die wir in Memphis bei starkem Regen verbracht haben, mehr Eindruck gemacht als die Stadt Memphis. Die Stadt hat eine Strasse, die Balestreet (ca 200 m lang), wo man unter der Woche Musik hoeren kann: in kuenstlichen, total ueberteuerten Rockcafes.....
Nach Memphis fuhren wir dem Mississippi entlang Richtung Sueden. Es wurde immer waermer.. die Menschen sprechen einen noch unverstaendlicheren aber lustigen Akzent...
Bald hiess es go West. Auf der 20er fuhren wir bis Dallas: eine schoene Stadt, uebersichtlich, ruhig: wir waren am Sonntag da. Weiter auf der 180er (paralell zur 20er) durchqueren wir nun Texas, treffen Cowboys die Rinder treiben, alte Oelpumpen, Ranger, und viel viel weite rote Praerie mit den gekoepften Felsen am Horizont. Ich denke an Lucky Luke, an die Daltons (ein verbreiteter Name hier) und an eine kalte Dusche......