Written in USA
04/30/2003 by phil
Vorbemerkung: Dieser Text basiert hauptsaechlich auf meinen Beobachtungen waehrend unserer Reise und widerspiegelt auf keinen Fall die amerikanische Gesellschaft. Mein Einblick beschraenkt sich auf die Highways und Interstates, sowie Raststaetten, Tankstellen, Motels und Campingplaetze. Werden Verallgemeinerungen gemacht, so soll dies dem Humor dienen. Die Oberflaechlichkeit der Amerikaner habe ich demnach noch nicht uebernommen.
Dieser Text entstand in einer Bibliothek in 'Carlsbad', einem Dorf mitten in der Steppe New Mexicos, an der Grenze zu Texas. Soeben wurde ich von einem betagten Mann der 'Carlsbad Safety Guard' aufgefordert, die Motorraeder von der riesigen Ausfahrt, in welcher selbst ein RV* wenden kann (* spaeter im Text), auf ein Parkfeld zu stellen. Da nun auch eines frei ist, mache ich das gerne 'for the safety of Carlsbad' (Zitat) und die Begruendung 'the old people can't see the motorcycles' bestaetigt meinen Eindruck von der Fahrtuechtigkeit vieler Fahrer vor Ort.
Bekanntlich hat alles in New York angefangen. Viele Leute, viele Autos. Die Markenverteilung indessen ist der unseren recht unterschiedlich. Wie bei uns in Europa sind hoher Anteil eigene Marken. Hier also Chevrolet, Ford, Dodge, Chrysler, aber auch bei uns unbekannte oder seltene wie Mercury, Lincoln, Buick, Cadillac etc.
Der groesste Anteil an auslaendischen Wagen haben, wie in Europa, die asiatischen Modelle, allerdings in einer anderen Durchmischung. Nissan und Honda sieht man, nebst Toyota, sehr oft. Hyundai wird am TV stark gepushed, ist aber noch nicht so stark vertreten, genauso wenig wie Subaru oder Kia
Die Europaeer sind ebenso rar wie selektiv, auch pflegen einige von ihnen an der Glotze ein anderes Image. Fiat gibt es gar nicht, zum Glueck auch keine Smarts, ebensoviel Opel (vermutlich Firmenpolitik der Muttergesellschaft GM). VW selten, wenn, dann meistens der New Beetle. Audi vor allem der A4, allgemein jedoch selten, Volvo praktisch nur im Lastwagensegment. Abgesehen von den englischen Marken, von denen sporadisch mal ein Jaguar oder ein Land Rover zu sehen ist, bleiben da noch die deutschen Nobelmarken Mercedes, BMW und Porsche. Letztere sehr rar, am ehesten noch der Boxster. BMW hauptsaechlich die 5er Serie, in wohlhabenderen Gegenden auch mal der neue 7er. Mercedes, hier kenne ich mich in der Typenbezeichnung nicht aus, da nach meinem empfinden alle etwa gleich aussehen, ebenfalls rar. Auffallend hier das andere Image in der Werbung: Viel sportlicher.
Die Werbung allgemein ist emotionaler als wir uns das gewohnt sind, dafuer viel haeufiger. Aehnlich, das heisst nach dem Muster der deutschsprachigen Medien welche ich konsumiere, wird in den Spots ein Humor gelebt, welcher auf der Strasse nicht anzutreffen ist, zudem ein starker Bezug auf den Lifestyle.
Sicherheit und Verbrauch werden, wenn ueberhaupt, nur am Rande erwaehnt. Was hingegen nie fehlt, am Ende jedes Produktangebotes, das passende Leasingangebot. Auch hier sind Unterschiede zwischen den Herstellern festzustellen: Waehrend die meisten Hersteller in anbetracht der wirtschaftlichen Situation 0% Leasing und aehnliche Angebote als Verkaufsargument praesentieren, beharren die exklusiven Marken auf einem Zinssatz zwischen 4% und 5%.
Ganz abgesehen von den einzelnen Marken, die Fahrzeugtypen sind hier anders verteilt, wobei Europa einem amerikanischen Trend zu folgen scheint: Das Fahrzeug muss gross und geraeumig sein, groesser ist besser. Mit 'gross' decken die Amis wohl denn auch ihr Sicherheitsbeduerfnis ab, 'gross' ist schlicht das Stichwort fuer viele Lebensbereiche hier.
Je mehr man sich auf dem Land befindet, umso mehr nimmt die Anzahl der Trucks zu. Unter Trucks wird hierzulande das gemeint, was wir stolz englisch als 'Pick Up' bezeichnen. Diese werden vornehmlich von Maennern gefahren. Auf der Ladeflaeche ist nur hoechst selten etwas zu sehen, einige Fahrer lassen aber auf den Interstates die Ladeklappe am Heck herunter, um weniger Luftwiderstand zu haben und damit Benzin zu sparen. Danke.
Es gibt allerdings einen Tag in der Woche, der Samstag, da trifft die Aussage nicht ganz zu. An den Wochenenden faehrt halb Amerika mit ihren Trucks ueber die Highways, hinten drauf ein Boot, Dirtbikes (Crosstoeffs) oder ein ATV (All Terrain Vehicle), das sind diese vierraedrigen Erwachsenenspielzeuge, die an grosse, motorisierte Cross-Seifenkisten erinnern, bei uns auch am kommen, hier der grosse Trend.
Nicht zu vergessen die gelifteten Trucks mit breiten Reifen, wie immer wieder in Filmen zu sehen. Hier scheint sich folgende Vermutung zu erhaerten: Je juenger der Fahrer, umso hoeher der Truck, umso breiter die Reifen. Es gibt schon auch die Kombination Teenage-Truck mit aelterem Fahrer, mit denen habe ich dann aber eher Mitleid.
Eines muss man den Amis allerdings lassen. Im Gegensatz zu den beklemmenden Platzverhaeltnissen in der Schweiz haben sie Platz fuer Ihre Gefaehrte und auch das entsprechende Gelaende fuer den adaequaten Einsatz.
Nichts ohne Ausnahme (mir wurde auch schon mal von einer Person gesagt, ich laestere zu viel. Nun, laestern ist ein Schritt der Erkenntnis und damit der Erste auf dem Weg zur Veraenderung. Akzeptieren und schweigen ist nicht so meine Sache): Der Hummer2 ist am haeufigsten zwischen New York und Washington zu sehen, auf dem Land dann allerdings nicht mehr. Was man mit einem Hummer, der im TV in einem strahlenden gelb als sportliche Abenteuermaschine fuer kinderlose Paare verkauft wird, ist im Kriegsfilm 'Black Hawk Down' eindruecklich zu sehen. Empfinden die Besitzer die Situation des Landes so schlimm? Das macht mir Angst.
Die Lastwagen sind, ich habe es in meinem ersten Bericht schon erwaehnt, eine Freude auch fuer Laien. Die Regel hier scheint zu lauten: je kleiner die Zugmaschine, umso lauter. Ein Truckstop ist echt ein Erlebnis, nebst gutem Essen, Einkaufs- und Waeschemoeglichkeit gibt es vom Fahrerehepaar bis zum Kerl, der sich als moderner Cowboy gibt, alles zu beobachten.
Motorraeder gibt es etwa drei Kategorien: Harley Davidson und die, welche aussehen wie Harley Davidson, dann die Yamaha Supersportler und die, welche aussehen wie Yamaha Supersportler und noch die Dirtbikes; hinten auf den Trucks...
Waehrend ein Range Rover bei uns schon zu den grossen Autos zaehlt, ist er hier nicht selten im Schlepptau von RV's zu sehen. RV steht fuer Recreational Vehicle, Wohnmobile, meistens in der Groesse eines Reisecars. Eine Villa auf Raedern. Die beste Kombination, welche mir bis anhin aufgefallen ist: Ein Riesen-RV mit einem Jeep Cherokee im Anhang, auf diesem ein Aussenbord- Motorboot und am Heck ein Fahrrad. Tja Leute, man muss auf ale Eventualitaeten vorbereitet sein; Spass haben ist eben kein Zufall!
Nicht zu vergessen die toten Tiere am Strassenrand, die ja auch immer wieder auf ihre Art die Gegend repraesentieren. Sind es im Nordosten viele Eichhoernchen oder Dachsaehnliche Viecher, werden es gen Sueden mehr Voegel, Panzertiere und Schlangen. Vereinzelt auch Hunde, zweimal schon noch lebende, herumstreunende, vermutlich ausgesetzte Welpen. Mitten auf der Interstate konnte ich nicht anhalten, mir seis verziehen, bin Vegetarier.
Es gibt Ortschaften, an denen ist man als Fussgaenger gaenzlich unerwuenscht. Weder Gehsteige noch Fussgaengerstreifen sind vorhanden, die kleinsten Strecken werden mit dem Auto zurueck gelegt. Dem entsprechend stinkt auch die Luft. In aermeren Gegenden wie Louisiana waren noch eher PED (abk fuer Fussgaengerstreifen) vorhanden. Zum Bild gehoeren da auch die Autos auf den Strassen: 20 bis 30 jaehrige, klapprige und durchrostete Limousinen.
Noch was: Die Autonummern sind nicht so speziell, wie ich das erwartet habe. Die allermeisten haben eine nichtssagende, oder nur dem Besitzer verstaendliche Kombination von Buchstaben und Zahlen. Immerhin schon aufgefallen:
"PEACE", "KNG 1" (fuer king 1), "BUD GIRL", "GR8 2ME" (great to me), "STRWARS" (Starwars), "LKYGIRL" (lucky girl) und "GR8 65" an einem rot glaenzenden, restaurierten 65er Ford Mustang.
Have a save trip, Phil
Tips und Tricks:
- Mit Fluessigbrennstoff kochen erspart die Suche nach der passenden Gaskartusche
- Truck Stop: Petro mit 'Iron Skillet' Restaurant
- Strassen allg.: Interstates = Autobahnen, Highways = Schnellstrassen (mit Kreuzungen)
- Strassennummerierung: i.d.R 2stellige Bezeichnungen, gerade Zahlen bedeuten Ost- West, Ungerade Nord- Sued. Falls 3stellig (immer in Stadtnaehe), dann bedeutet die erste Ziffer falls gerade durch oder um die Stadt, falls ungerade in die Stadt.