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Awas Malaysia

Written in Thailand
11/08/2010 by phil

Der einfachste Grenzübertritt überhaupt. Ein kleines Einreiseformular, wo das einzutragen ist, was im Pass auch steht. Das war es. Bei der Ausreise gibt man das kleine Zettelchen wieder ab, wo das drin steht, was im Pass drin steht, das war es wiederum. Motorrad? Wird im ganzen Land eher wie ein Fahrrad behandelt. Und da jeder Malaysier eines zu haben scheint, gibt es eine eigene Motorrad Infrastruktur. Eigene Zolldurchgänge, manchmal eigene Autobahnspur, viele Motorrad Parkplätze, sogar markierte Regennischen unter Brücken. Zudem bezahlen Motorräder keine Maut, sondern können die Zahlstellen legal auf sehr schmalen, geteerten Pfaden umfahren. Und in den Städten und Dörfern gibt es zahlreiche Motorradmechaniker, Tuningshops und Sattlereien. Am häufigsten sieht man rollerähnliche Motorräder japanischer Marken zwischen 100 und 125 Kubik Hubraum. Das Chassis sieht aus wie ein Roller, vorne und hinten hat es aber Räder mit grossem Umfang. Frauen fahren mit derselben Selbstverständlichkeit. Oft mit ihren Männern oder Kindern hinten auf, oder ist das dasselbe? Egal, aber es sind die jungen Männer, die ihre Maschinen gnadenlos frisieren mit Rennauspuff und allem Drum und Dran. Erst höre ich Sportwagen von hinten, dann ist es aber nur einer dieser Jungs, der sich voll in den Wind legt, Gashahn am Anschlag und, ganz wichtig und im Trend: einhändig. Der linke Arm ist entweder auf dem Rücken oder wird mittig nach vorne gehalten, wie das Cancellara bei einem Zeitfahren tut.

Malaysia ist kein Land für Fussgänger. Du kennst sicher die Spielkonsolen der 80er, diese zum rein sitzen mit Steuerrad und Gaspedal. Spätestens ab der dritten Runde musste ich immer Geld nachwerfen, weil die Zeit natürlich immer ganz knapp nicht reichte, kostenlos das nächste Level zu erreichen. Aber es war schon cool, auf diesen unrealistisch breiten Strassen durch die pixeligen Gegenden dieser Welt zu rasen. Und jetzt aber Malaysia. Awas Malaysia! Dreispurige Autobahnen und Schnellstrassen durchziehen die Gegend, in den Städten ist alles zweispurig. Entweder haben die Planer zu viele Computerspiele gespielt oder umgekehrt. Da Benzin rekordverdächtig billig ist, ist alles auf motorisierten Verkehr ausgerichtet. Es gibt eher wenig Stadtbusse, die Metro in Kuala Lumpur ist verhältnismässig teuer und so auch nicht stark benutzt. Lichtsignale bei Fussgängerstreifen laufen öfters nicht. Bei grossen Kreuzungen sind Blinklichter manchmal mit Sekundenzählern ausgerüstet. Diese zählen die Zeit runter bis die Signalfarbe wechselt. Das ist für die Malaysier aber keinen Grund, den Motor auszuschalten. Manchmal kam es mir vor, als sei jeder dritte Lastwagen ein Kraftstoff-Transporter. Entlang der Hauptachsen und in Städten gibt es zahlreiche moderne Tankstellen, allen voran Petronas, mit einem rundum-sorglos Angebot an Verpflegung und was der Reisende sonst so alles braucht. Zum Beispiel Bier. Nicht, dass ich jetzt an einer Raststätte Bier gekauft hätte. Und trotzdem habe ich das in manchen bereits besuchten Ländern vermisst. Ich Werte es als eine kulturelle Errungenschaft, wenn der Staat, also die Gesellschaft sich zutraut und der Masse soweit vertraut, dass Alkohol sogar an Tankstellen verkauft wird. Das ist für einen Islamischen Staat umso überraschender.

In den grossen Städten ist das Leben äusserst modern. Kleidung, Zeitvertreib in Shopping-Centern, Ausgehmöglichkeiten. Manchmal frage ich mich, was es ist, was mich immer mal wieder so anders denken lässt, wie viele andere in meinem Umfeld. Schlechter Umgang? Indien – gefällt den meisten. USA – selten habe ich ein so schönes Land bereist. Singapur – geniale Stadt. Malaysia – eher unfreundliche Menschen, von mehreren unabhängigen Parteien so erzählt bekommen. Aber so wie ich das erlebe, was ich auch von Begegnungen erwarte, die Leute sind sehr höflich. Ja, das Gepäck muss man selber vom Motorrad ins Hotelzimmer schleppen. Dafür steht dann aber auch keiner doof im Zimmer herum und wartet auf Trinkgeld. In den Städten wie auch auf dem Land ergeben sich immer wieder kurze, nette Wortwechsel. Oft sind natürlich die exotischen KTMs der Aufhänger für eine Kontaktaufnahme. Zum ersten Mal überhaupt auf Reisen sagt mir einer ins Gesicht: „Darum bin ich so neidisch auf Euch.“. Meint damit die Möglichkeit, lange Ferien machen zu können. Und lädt uns danach aber zum (teuren) Kaffee ein, wir seien Gäste in seinem Land. Für einen Islamischen Staat erscheint mir Malaysia sehr gemässigt. Das Gebet der Muezzin in Kuala Lumpur ist kurz, kunstvoll melodiös und legt bei Dämmerung einen romantischen Hauch über die Stadt, dem ich gerne zuhöre.

Die Luft ist am Morgen angenehm frisch, so um 25 Grad. Nachmittags öfters drückend. Vermutlich wegen den Fahrzeugen, die grösser als ein PW sind, ist nach einem Fahrtag das Gesicht schwarz. Aus den Rohren kommt kein Feinstaub sondern dicke, schwarze Kieselsteine. Beim Atmen merke ich das erstaunlicherweise nicht so, es stinkt nicht übermässig. Aber immer viele Bööggen und regt ein Hustenreiz die Lungen zum Wellblechbetrieb, rasselt es ganz schön aus der Röhre. Ganz generell habe ich mich sehr gut an die Hitze gewöhnt. 30 Grad sind normal geworden, bei 20 wie auf den Genting Highlands, einer dieser Berge, auf welchen dreispurig hoch und runter gefahren wird, fror ich. Nicht zuletzt dank der grosszügigen Strassen bietet mir Malaysia wieder die Möglichkeit, während dem Fahren die Gedanken schweifen zu lassen. Diese sind überall, sprunghaft in der Zeit und den Orten. Dann wird man wieder urplötzlich aus dem Träumen gerissen, wenn beispielsweise wieder ein neuer Rekord gebrochen wird. Da ist diese riesige Schlange zu erwähnen. Schon fast ein Vieh. Normalerweise haben Tiere dieser Grösse Beine. Ganz sicher ungiftig, da leider schon tot auf dem Asphalt. Trotzdem habe ich mich aber kurzfristig gegen eine Pinkelpause in den Büschen entschieden und noch einige Kilometer weiter verklemmt. Mit Beinen dann tatsächlich Rekord Nummer zwei: Eine riesige Echse. Während das Schwanzende irgendwo im Wald verschwindet, züngelt die Spitze der langen, dünnen Zunge schon bedenklich weit gegen den Mittelstreifen. Und wer jetzt denkt, ich übertreibe, der kann im Internet mal nach „Malayan Water Monitor“ oder „Bindenwaran“ suchen. Drei Meter erreichte das von uns gesichtete Exemplar nicht, aber wenn da so ein Meter fünfzig bis zwei Meter Echse in der Fahrbahn stehen, dann ist das schon ein guter Grund, einen Bogen zu fahren.

Ganz generell, die Wälder sind fantastisch, da wo die Palmenplantagen aufhören. Keinen halben Meter sieht man hinein. Einmal so ein Flughund/Flugkatze/Flugratte oder so was über die Strasse segeln sehen. Auf 1‘300 Meter Höhe ist die Früchtekammer des Landes. Es ist nicht mehr so heiss und evtl. feuchter. Da mischen sich unter die Palmen und Blätterbäume auch noch Nadelbäume. Ebenso faszinierend sind Sprache und Essen der Region. Malay als Sprache ist geprägt von der interessanten wie vielfältigen Entwicklungsgeschichte des Landes. So kommt es, dass sie die gleichen Schriftzeichen wie wir verwenden. Ein beträchtlicher Teil des Wortschatzes ist eine Art verschobenes Englisch, so wie Holländisch zu Deutsch. National Express wird zu Ekspres Nasional. Und dann noch gemeine Wörter: Air heisst Wasser. Lesen kann ich nun schon einiges: Tandas – Klo, Persimpangan – Kreuzung, Keluar – Ausgang, Pintu – Türe, Awas – Vorsicht. Höre ich die Leute sprechen, habe ich nicht die geringste Ahnung, wo ein Wort beginnt und wo aufhört. Ich könnte schwören, dass es nicht die Sprache ist, welche ich lese. Jüngere Leute um Kuala Lumpur sprechen verblüffend gut Englisch. Das mit dem Essen ist immer wieder lustig. Da je weiter von Kuala Lumpur entfernt, umso weniger in Englisch angeschrieben ist. Grössere und kleinere „Food Courts“ sind jeweils zahlreich in Städten verteilt: In der Mitte sind Tische aufgestellt, rund herum mobile oder eingebaute Kleinküchen. Vermutlich gepachtet von selbständig erwerbenden Betreibern. Ein Betreiber sorgt für die Getränke und manchmal ist es auch derjenige, der die Tische abräumt und das Geschirr abwäscht. Geld einziehen tut aber jeder für sich, bezahlt wird bei Lieferung. Gleiches System auch in den unzähligen Malls. Die einen machen Suppengerichte, die anderen Reisgerichte, mal heisst es Japanisch, Chinesisch, Koreanisch, Thailändisch, Malaiisch, Indisch oder was auch immer, doch Ong von KTM Singapur hatte recht: Es ist immer etwa dasselbe. Nicht, dass alles gleich schmeckt, aber eine Regionale Zuordnung wird ad absurdum geführt, da Ländernamen und Gerichte beliebig permutiert werden. Sich vegetarisch zu ernähren ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zwar gibt es auch vegetarische Anbieter, aber da gibt es dann Gerichte wie vegetarisches Hühnchen, vegetarisches Schweinefleisch oder vegetarische Meeresfrüchte. Auf alle Fälle geniesse ich jede Mahlzeit, da ich ja mit Händen und Gesten bestelle, ich vorher nie genau weiss, was ich schlussendlich serviert bekomme und es letztendlich immer schmeckt. Es werden keine russischen Portionen aufgetischt an diesen Ständen. Es ist aber sehr günstig und da man bei der portionenweisen Zubereitung direkt zugucken kann, ist alles immer sehr frisch und mein Magen meldete sich noch nie auch nur mit dem leisesten Zwicken.

Und wie läuft es mit unseren KTM 530EXC in Reiseversion? Das Motorrad läuft genial rund und spricht sanft auf kleinste Anweisungen an. Es ist kein Motorrad für Spastiker. Das Popometer liefert exaktes Feedback über den Untergrund, die Räder scheinen in jedem Moment am Boden zu kleben. Sie verbrauchen etwa einen Liter weniger pro hundert Kilometer als dies die 625SXC tat. Bei konstanter, ruhiger Fahrt um die 70 Km/h beginnt der Verbrauch bei 3.6 Litern. Das ist die KTM 530 EXC nicht: Ein Rally Motorrad, für Hochgeschwindigkeitsetappen fehlen einige PS. Es ist auch kein Stadtbike, die geringe Menge Motoröl wird schnell sehr heiss bei gezogener Kupplung an den Ampeln und langsamen Stop-and-Go Verkehr. Jasmins Moto frisst etwas weniger Benzin, weist aber einen höheren (zu hohen?) Ölverbrauch auf. Nach 1‘400 Km sehr sanfter Belastung trennt die Kupplung deutlich schlechter, ein Ölwechsel ist dringend fällig. Grundsätzlich bin ich hell begeistert von der Maschine. Es kostet mich aber noch mehr Zurückhaltung, sanft und schonend zu fahren. Das Gerät schreit buchstäblich nach Offroad-Betrieb und einen Hauch Unvernunft. Einziger Wermutstropfen: Etwa vier des 21 Liter fassenden Tanks sind ohne zusätzliche Benzinpumpe für die Füchse und können nicht genutzt werden. Hier in Asien ist die Tankstellendichte so hoch, dass dies kein Problem darstellt, in Australien müssen wir dafür aber eine Lösung haben.

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Written on the 112th day of trip IV - India/Asia/Australia
6'539 Km on the road


Route in Thailand


 
 
 
 
 

Fotos around that time

Phil in einem typischen Food Court
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Foto taken between Hat Yai and Thung Song, Thailand.
Nov 2010
Traumhafte Strassen durch schöne Wälder, Malaysia
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Foto taken around Ipoh, Malaysia.
Nov 2010
In den Wäldern Malaysias
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Foto taken around Ipoh, Malaysia.
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Jazz bei chicken rice
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Foto taken around Ipoh, Malaysia.
Nov 2010