Genau zwei Wochen verbrachten Phil und ich in Singapur. Diese Stadt bot uns nach drei Monaten Indien eine Fülle von Attraktionen und Sightseeing sowie ein Dienstleistungsangebot, welches wir rege nutzten. Im Raffles Hospital liessen wir uns Medis gegen etwa alles verschreiben, was in so einem Menschendarm sein kann, dort aber nicht hingehört. In den zahlreichen Shoppingmalls deckten wir uns von der Unterhose bis zu den Adiletten mit neuer Kleidung ein. In den Supermärkten assen wir uns durch die Regale oder genossen die vielen Restis und mit dem super ÖV (Bus, Taxi, Metro) erkundigten wir die Strände, den Zoo und alle Eck- und Endpunkte der Insel. Zwischendurch nahmen wir Kontakt mit Zuhause auf und mit unserer Spedi zwecks KTM-Lieferung hier in Singapur. Und um gleich alle überraschten Leser zu beruhigen (wer uns kennt, darf mehr als überrascht sein, dass eine Grossstadt wie Singapur uns Naturfreaks derart zusagt), um also alle überraschten Leser zu beruhigen: so nach 10 Tagen Grossstadt hatten wir dann doch langsam genug und die angekündigten erst zwei und dann fünf Tage Verspätung unseres Schiffes mit den KTMs an Bord trieb uns, gestärkt und erholt, erneut in reiselustige Triebsamkeit. So beschlossen wir, auf eigene Faust eine Lagermöglichkeit für die Holz Box (in welcher die Töff geliefert werden) zu suchen. Nicht dass wir damit dann nochmals ein bis zwei Tage und nicht zuletzt auch viel Geld verlieren würden. Im Internet suchten und fanden wir KTM Singapur und mit Hilfe von Phils Pilotenseite GoVfr.com machten wir dessen genaue Adresse und die Koordinaten aus.
„Hi, can I help you?“ mit diesen einladenden Worten wurden wir von Ong Kim Hua, dem Geschäftsführer von KTM Singapur, begrüsst. In einem Industrieviertel nahe dem Flughafen befindet sich die Werkstatt von ihm und seinen Jungs. „Hello, yes, we hope you can help us! Because we need help.“ Und schon war Phil mitten drin im Erklären unserer Situation von wegen zwei Töffs, Kiste, gross, 3 Monate lagern bis wir wiederkommen, dann alles wieder in die Kiste und ab nach Australien. Ong nickte immer wieder und meinte am Schluss: „Hey, euer Hobby ist fahren, mein Hobby ist dieser Laden hier. Und weil wir KTM Singapur sind, unterstützen wir euch. Das ist unser Job.“ Er streckte Phil seine Visitenkarte hin und meinte noch: „Ruf mich einfach an, wenn du genau weisst, wann die Kiste hierhin geliefert wird und ruf mich auch an, wenn es bei der Einfuhr am Zoll Probleme gibt. Ich kenne mich da aus.“ Das wars! So einfach! Und es kommt noch besser: wir gingen gleich danach zum Agenten unserer Spedi, etwa drei Busstationen entfernt, und teilten diesem die neue Lieferadresse mit. Als Liefertermin wurde uns der kommende Dienstag genannt. Am Montagabend, als Phil und ich nach einem weiteren Tag Sightseeing müde ins Hotel kamen, empfing uns der uns unterdessen gut bekannte Concierge ganz nervös und teilte uns glücklich mit, dass die KTMs heute Nacht noch geliefert würden und dass Ong uns morgen erwarte. Und jetzt kommt es: als wir am nächsten Tag früh um neun Uhr (in Singapur beginnt das Leben nicht vor 10 Uhr) bei Ong ankommen, stehen unsere KTM ausgepackt da und die Holz Box ist bereits in Einzelteilen in der ganzen Werkstatt verteilt verstaut! Wir mussten nur noch die Batterien anhängen, Benzin auftreiben, die GPS-Halterung ranmachen und fertig! Kosten? Eine Runde Cola für die Jungs. „See you in three months!“ So lautete in etwa die Verabschiedung und ich fuhr, zugegeben erst ganz schön ruckelig und unsicher, dann aber immer feiner und flüssiger meine ersten 20 Kilometer auf asiatischen Boden: mit meiner KTM und dem ZH-Nummernschild rein nach Singapur City zu unserem Hotel! Hammer! Ein Kribbeln von den Zehenspitzen bis zum kleinen Finger hielt noch lange an!
Am nächsten Tag verliessen wir vollgepackt und natürlich schon ordentlich durchgeschwitzt die Stadt, den Staat, die Insel via Brücke nach Malaysia. Bei der Ausreise gabs dann nochmals etwas Nervenkitzel: die KTMs wurden mit dem Carnet de Passage (Zolldokument) eingeführt und müssen folglich auch einen Stempel für die Ausfuhr erhalten. Leider fanden die Zollbehörden im Computer aber keinen Import. Und ohne Import auch keine Export. Da wir aber einen Import auf dem Papier (also im Carnet) nachweisen konnten, liessen sie sich doch noch auf einen Export ein. Sie machten einfach eine Kopie der Importdokumente und, so meinten sie, sie würden das mit dem Import dann im Nachhinein im Backoffice regeln…
Nach der langen Brücke dann die Einreise ins muslimische Malaysia: ein Papier ausfüllen, Stempel mit Visum für 90 Tage in den Pass und fertig. Die Motorräder? Nix, einfach fahren. Kosten? Nix, los jetzt, wellcome!
Ich erschrecke noch jetzt manchmal, nach gut 500 Kilometern mit der KTM, wie brutal hoch sie doch ist und mein Allerwertester muss sich nach dem Royal Enfield Sofa auch erst wieder an härtere Bedingungen gewöhnen! Doch die KTM ist eben doch mein Motorrad. Wenn ich Gas gebe passiert etwas und wenn ich bremse genauso. Sie ist leicht, wendig und spritzig zum Fahren- Supi!!
Von Malaysia haben wir noch nicht viel gesehen. Die historische Stadt Melaka an der südlichen Westküste und die Hauptstadt Kuala Lumpur. Hier warten wir nun auf unser Visum für Thailand. Unser Plan war es von Anfang an, dass Malaysia eher ein Transitland ist und wir unseren Schwerpunkt ganz klar auf Thailand legen. Wir brennen aufs Fahren, auf Nebenstrassen, auf Thailand!!
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Written on the 102nd day of trip IV - India/Asia/Australia
4'985 Km on the road