Von den ersten Eindrücken von Singapur bin begeistert, eigentlich schon überwältigt. Ein Tor zu einer mir bis anhin verborgenen, der asiatischen Welt. Unfassbar ist das Angebot, die Ruhe, die Sauberkeit, die Freundlichkeit. Die U-Bahn ist die Beste der Welt. Ich spüre, dass die Leute, welche sich dieses Konzept ausgedacht haben, ihren Job gerne gemacht haben. Vermutlich ist das der ganze Trick. Singapur U-Bahn ist wie ein KTM Motorrad, die perfektionierte Reduktion auf das Wesentliche.
Die breiten, mehrspurigen Strassen, sensationell beschriftet, leiten die Fahrzeuge übersichtlich durch die Häuser und Parks, dem Hafen und dem Sandstrand entlang. Keine schwarzen Wolken aus Auspuffrohren, der stetige Strom eitrigen Sekrets versiegt und läuft mir nicht mehr permanent vom Rachen in den Magen. Die ersten drei oder vier Einkaufszentren markiere ich noch mit einem GPS- Punkt auf dem Navigationsgerät, bis ich merke, dass man im Zentrum eigentlich in jedes Hochhaus hinein latschen kann und sich auf den drei Stockwerken darüber und darunter eine Mall befindet. Darin und bei jeder U-Bahn Station jede Menge öffentliche, saubere und vor allem kostenlose Toiletten. (Ist dir schon aufgefallen, dass du beispielsweise in Zürich an jeder Ecke Getränke kaufen sollst, dich aber nirgends und falls, dann nur gegen Entgelt wieder erleichtern darfst?)
Ich kleide mich neu ein, von Kopf bis Fuss. Unterhosen, Socken, das einzige was noch bleibt sind die Turnschuhe. Es geht mir von Stunde zu Stunde besser. Ich bin glücklich, auf einem Gehsteig zu laufen, einzuatmen und Zeit zu haben.
Im Raffles Hospital warte ich auf einen Arzt, nachdem ich der Angestellten im Empfangsbereich meinen Namen und Adresse genannt habe. Die Sessel sind äusserst bequem und die heisse Schokolade ist besonders empfehlenswert. Nach der kurzen Konsultation stellt mir die Ärztin das Rezept für meine Medikamente aus. Sie verabschiedet sich mit den Worten „Is there anything else I can do for you?“, die Laborergebnisse werden mir per Mail zugestellt.
In dieser Stadt kann ich mir vorstellen zu leben. Diese Mischung zwischen Ruhe und Geschäftigkeit. Der gepflegte Umgang unter einander. Weil man auf Plakaten nicht gesagt bekommt, was alles verboten ist, sondern was das gewünschte Verhalten ist. Die „Love Your Ride“ Kampagne schwärmt auf unterhaltsame Weise davon, wie befriedigend es ist, seinen Sitz für eine Bedürftige Person freizugeben. Die tolle Architektur moderner Hochhäuser und noch mehr der grosszügige Platz zwischen diesen Häusern. Das warme Meer, der weisse Sandstrand, die riesigen Frachter, die Drachen am Himmel vor der sich verändernden Skyline, die frühen, warmen Nächte, die zahlreichen Grünanlagen. Bestimmt ist ein Leben hier mit viel Arbeit verbunden - jeder Tag sprengt unser Budget ein Mehrfaches – doch wo ist es das nicht? Singapur bietet dann aber in der Freizeit einen Gegenwert zu den Anstrengungen des Alltags.
Diese Stadt gibt mir die Kraft, dass ich mich nun wieder extrem freue auf das Weiterreisen, auf das, was ich am liebsten mache, das Motorrad fahren durch fremde Gegenden. Auch wenn es für mich fast schon einmalig ist, nach einer Woche noch nicht genug zu haben von einer Stadt und diese mit dem Gefühl verlasse, noch lange nicht alles gesehen zu haben.
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Written on the 92nd day of trip IV - India/Asia/Australia
4'550 Km on the road