Ganz so habe ich es oben am erst besten Schalter nicht gesagt, aber ich bin froh, dass Hilfe kommt und entgegne dem Polizisten: „Es ist kein alter Mann, sondern mein Mann. Und er liegt nicht, er sitzt. Und er kann sich nicht nicht mehr bewegen sondern nur fast nicht mehr, weil jede Bewegung derart schmerzt. Und das Atmen bereitet ihm Mühe. Er kriegt vor lauter Schmerzen zu wenig Luft.“ „Die Sanität ist aufgeboten und kommt gleich.“
Und so bietet sich Philipp und mir ein durchaus gewohntes Bild. Denn immer wenn Philipp und ich eine grosse Reise antreten, ist die Polizei innerhalb der ersten 24h mit dabei. Diesmal eben auf Perron 3 Sektor C am Flughafen Kloten. Sie sichern uns, damit nicht noch mehr passiert, kein Gepäck wegkommt und damit die Leute etwas zu Lugen haben... Als die Sanität eintrifft geht es sehr schnell. Philipp kommt ins Medical Care Center am Flughafen und ich kümmere mich um Gepäck, Flug und die nächsten 2-5 Stunden. Solange nämlich könne sich die Untersuchung im Center hinziehen.
Wars das schon? Bevor es losgeht? Vorsichtig hieve ich das Gepäck, den Übeltäter sozusagen, auf den Gepäckrolli, dann noch die Helme und den Rucksack auf die zwei Riesenkoffer obendrauf und jetzt schieben. Was geht eigentlich in mir ab? Bin ich wütend, enttäuscht, traurig, voller Sorgen oder grad mit der ganzen Situation überfordert? Während ich den Rücktransport des Gepäcks, herzlichen Dank an dieser Stelle an Sonja!, die Annullierung der Flüge und die weitergehende Unterkunft bei den Schwiegereltern organisiere und uns schliesslich in Indien vorläufig abmelde, während alle dem sind meine Gedanken bei Philipp im Medical Care Center. Hat er immer noch diese Schmerzen, kann er unterdessen besser atmen? Sind es die Bandscheiben? Die Wirbelsäule oder doch „nur“ ein Hexenschuss?
Es ist Mittwoch, der 21. Juli 2010, 11.55 Uhr. Unser Flieger ging vor knapp 10 Minuten. Entwarnung! „Nur“ etwas Hexenschussähnliches. Philipp bekam Medis, kann nun wieder fast normal atmen, hat wieder etwas Farbe im Gesicht und liegt schmerzfrei noch immer im Medical Care Center. Taxi, herzlichen Dank an Sandy!, und Unterkunft sind organisiert und der erste Schock wohl überstanden. Langsam macht sich auch in meinem Gefühlschaos ein Ordnung breit. Ich bin nicht wütend, auf wen oder was auch! Enttäuscht bin ich auch nicht. Die Reise hat heute angefangen. Und wenn etwas passieren musste, dann geschah dies wohl an einem der besten Tage der Reise aufs ganze folgende Jahre gesehen- nämlich hier in der Schweiz. Traurig? Nein. Oder doch, ein bisschen. Schliesslich verpassen wir sicher einige Tage der indischen Hochzeit unserer Freunde in Kochi. Aber eben, die feiern da für eine Hochzeit locker zwei Wochen- und wir werden pünktlich zum Hauptakt da sein!
Als wir draussen aufs Taxi warten, kommen die zwei Polizisten von vorhin per Zufall nochmals an uns vorbei. Es ergibt sich ein kurzes Gespräch. Mir scheint, auch sie sind froh, Philipp wieder munterer zu sehen und sofort gibt dieser den beiden Herren in Uniform unsere Reisehomepage bekannt. Ein gutes Zeichen. Die Reise, ein Jahr Abenteuer, hat angefangen!
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Written on the 4th day of trip IV - India/Asia/Australia
1 Km on the road