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Kill and Grill – Ein Grillfest mit Gleichgesinnten?!

Written in Germany
05/09/2010 by jazz

Schon lange steht es dick und fett da: „Kill and Grill, nahe Dresden.“ Dick und fett. Muss es, denn sonst würde man diese Einladung glatt übersehen, so voll ist unser Kalender am Eisschrank in der Küche. Impfen, Packen, Einkaufen fürs Abschiedsfest, Kartonschachteln organisieren, Schrank wird abgeholt, Termin Bank, Essen mit Familie, Visum Indien beantragen, Job künden…. um nur einige Punkte zu nennen. Alles ganz typische „to does“, wenn man für ein Jahr weg fährt. Und eben, dieses „Kill and Grill, nahe Dresden.“ Unser Verleger schlachtet zum Frühjahr einen seiner Rasenmäher und lädt uns alle zum grossen Lammschlemmen ein. Uns? Ja, uns- alle seine Autoren. Alles Motorrad-fern-reisende, die ihre Erlebnisse niedergeschrieben haben und über Manfred ein Buch verlegen liessen. Fünf Bücher, fünf Autoren bzw. Autorenpäarchen, eben uns.


So packen wir Hund, Kleider und Käse ins Auto und fahren los nach Dresden. Knapp 800km, die Vorfreude auf lauter Gleichgesinnte nimmt mit jedem Dutzend Kilometer zu. Ein Grillfest, Phil ist Vegetarier und ich mag Lamm nicht besonders, ein Grillfest ganz nach unserem Geschmack. Nämlich eines, wo es auf die Leute drauf an kommt, die da mitmachen. Wir freuen uns auf packende Gespräche mit zig Übereinstimmungen, Zustimmung nach fast jeder Aussage von allen Anwesenden, ganz viel Kopfnicken, Schulterklopfen und auf das gute Gefühl, verstanden zu werden. Auf diesen „du musst dich nicht erklären, ich weiss genau, was du meinst, mir geht es ja genau so.“ -Blick. Wir werden alle am Feuer sitzen und das Gefühl haben, einander schon ewig und bis in die letzte Falte unserer Reisegesichter zu kennen. Schön.


Den ersten Abend verbringen wir bei Wein und Regen im Gewölbe des Dreiseitenhofes unseres Verlegers. Zu viert unterhalten wir uns angeregt und mit viel Gelächter über- ja, über was? Das erstaunt- nicht etwa übers Reisen, nein. Auch nicht übers Schreiben, über ein neues Buch oder irgend was in diese Richtung. Nein, wir unterhalten uns über Gott und die Welt und es ist so, als wäre unser letzter Besuch nicht ein Jahr sondern mal eben einen Tag her. Manfred und seine Lebenspartnerin sind uns Freunde geworden. Nicht das Reisen oder das Motorradfahren stehten als das Gemeinsame im Vordergrund. Vielmehr ist es der Mensch, seine Geschichte, seine Ziele und Ansichten übers Jetzt und das Morgen. Abende mit Manfred und Moni sind immer lang und die verbleibende Zeit der Nacht im Schlafsack bzw. in der Gästewohnung sehr kurz.


Am zweiten Abend gesellen sich die ersten anderen Gäste zur Runde. Erst sitzen wir zu fünft, dann zu siebt (und unser Lupo bekommt ebenfalls Gesellschaft von Leo mit Clara und den Welpen Anton und Adele) und schliesslich sitzen wir zu neunt bei Wein und Regen in besagtem Gewölbe. Dieser Abend ist nicht minder lang, doch die Gespräche konzentrieren sich nach kurzem Vorstellen: „Das sind die Autoren von Horizone. Das sind diejenigen von der weissen Khata….“ tatsächlich ums Reisen, Motorradfahren und ums Schreiben, bzw. Reisevorträge halten. Auf diesen Moment habe ich gewartet, habe ich mich gefreut. Endlich. Alle werden wir gleichzeitig und quasi unisono einen, nein unseren Lobgesang aufs Motorrad-Fernreisen loslassen!


Weit gefehlt. Anstatt mich mit Wortschwallen ins Gespräch zu stürzen werde ich immer ruhiger, höre zu, staune, bin überrascht und etwas irritert. Was? Der macht Winterfahren mit dem Motorrad? Erst bei Schnee macht es richtig Spass? Auf dem gefrohrenen Baikalsee? Reisen als Ausstieg? Reisen als Chance zum Glück? Leben für und vom Reisen? Ich lehne mich zurück und komme ins Grübeln. Noch kein „du musst dich nicht erklären, ich weiss genau, was du meinst, mir geht es ja genau so.“ –Blick hat mich gestreift.
Dass wir alle mit dem Motorrad Fernreisen machen heisst noch lange nicht, dass wir das alle aus dem selben Grund oder mit der selben Absicht machen. Und es heisst schon gar nicht, dass wir alle irgendwie gleich sind oder ähnlich ticken. So sieht es aus!
Ich versuche, von meinen Erwartungen los zu lassen und mich der Situation, so wie sie ist, hin zu geben.


Am dritten Abend gelingt mir das dann so langsam aber sicher. Unterdessen sind an die 20 Leute anwesend. Alles Motorradfahrende, alles Reisende. Solche die gerade zurück sind, solche die bald gehen und solche, die mit einem Bein bereits ausgestiegen sind. Ungewiss wohin, geschweige denn wie lange und Zurückkommen ist alles andere als Sicher und schon gar nicht das Ziel.
Das Lamm brutzelt auf dem imposanten Feuer, rundeherum stehen wir, ja wir, ich gehöre ja doch auch dazu, und es gelingt mir unterdessen sogar, das Veschiedene zu geniessen. Was da nicht alles als Motivation zum Angriff einer Fernreise mit dem Motorrad verstanden wird! Für die Beziehung, wieder Material für Vorträge zu haben, von denen schliesslich gelebt sein will, einfach vom Reisevirus befallen oder weil man sich ja sonst nichts gönnt und weil es zu Hause einfach nicht mehr zum Aushalten ist. Mindestens genau so vielfältig sind die Ziele, die Erwartungen welche die anwesenden Reisenden mit ihren Fernfahrten verfolgen. Einige wollen einfach möglichst lange weg sein, eigentlich egal wo genau. Andere sind auf der Suche nach familiären Wurzeln im Osten. Wieder andere klappern einfach mal alle Reisenden ab, die sie auf früheren Reisen so kennen gelernt haben und wieder andere sind wegen Kultur, Religion oder karitativen Absichten unterwegs. Die einen Reisen 1st class, andere etwas eingeschränkter, wieder andere sind schon pleite, wenn sie losfahren. Das Motorrad als Reisemittel ist ideal, weil es entweder billig, gut zu reparieren, oder Kult oder einfach Grossvaters bestes Stück ist oder weil Mann nichts anderes kennt.
Ich sammle, ich staune, ich schlucke ab und zu leer (also der mit den Winterfahrten…. und die mit den Hunden, die jetzt aufs Fahrrad umsteigen um aus zu steigen…). Auch ich ernte mit meiner Geschichte, meinen Absichten, meiner Motorradwahl, meinen Fernreisezielen und -absichten sowohl Erstaunen, Entsetzen wie auch Bewunderung.


Die abgeknabberten Knochen des Lamms liegen im Eimer neben der Feuerstelle. Es ist dunkel und die Sterne stehen am Himmel. Wir sitzen alle auf unseren Stühlen (die 1st class Reisenden haben ihren Klappstuhl- sorry,ihr aufklappbares Sofa, natürlich selber angeschleppt), wir sitzen also alle bequem in einem geschlossenen Kreis um die Glut. Ich sehe von meinen Sitzplatz aus mit viel Halsstrecken gerade noch die eine Deckenlampe des sich hundert Meter weiter unten befindenden besagten Gewölbes, welches leer steht aber hell beleuchtet ist. Wir lachen, wir schlürfen Wein und Bier, auch die Glut wärmt und erhellt die Gesichter mit rötlichem Schimmer. Das sind sie also, meine Gleichgesinnten. Ab und zu erzählt einer ne Anekdote- vom Reisen natürlich- und dann schauen wir alle wieder in die Glut. Schweigend. Träumend. Geniessend. Und irgendwie macht sich aber auch eine gewisse Leere breit, ein Gefühl von Einsamkeit. Wohl in allen von uns. Bis einer wieder eine Reiseanekdote erzählt.


Reisen, das macht jeder für sich. Wir machen es alle mit dem Motorrad. Das ist das Gemeinsame, das einzige Gemeinsame vielleicht.


Und so sassen wir alle am Feuer mit dem Gefühl, unter fremden Vertrauten zu sein. Und jede Falte dieser Reisegesichter birgt überraschendes. Schön.



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Written on the 24th day of trip IV - India/Asia/Australia
2'380 Km on the road


Route in Germany


 
 
 
 
 

Fotos around that time

Das Gewölbe
Das Gewölbe
Foto taken around Struppen, Germany.
May 2010
Rasenmäher am Spiess
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Foto taken around Struppen, Germany.
May 2010
Struppen Rocks
Struppen Rocks
Foto taken around Struppen, Germany.
May 2010
Blick auf die sächsische Schweiz
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Foto taken around Struppen, Germany.
May 2010