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Jesus fuehrt uns

Written in Ecuador
07/29/2003 by phil

"Jesus fuehrt mich" im Innern eines Taxis, als farbiger Sticker auf dem Armaturenbrett ist deshalb zum schmunzeln, da auch er keinen Stadtplan zu haben scheint. Jedenfalls ist es von Vorteil, wenn man selber, wenn auch nur ungefaehr, weiss, wo man hin moechte. Der Glaube faehrt in den Latinamerikanischen Staaten so gut wie immer mit. Fast kein Auto, in dem nicht ein glitzerndes Marienbild klebt, ein Plastikjesus angeschraubt ist oder mindestens ein Rosenkranz um den Rueckspiegel haengt.
Die Fuehrerkabine eines Busses ist in Zentralamerika typischerweise bunt ausgeschmueckt. Mit farbigen Plastikbaendern umwickelte Metallstangen, Flauschbaender umranden die mit dem Fahrziel beschriebene Frontscheibe, an der zudem eine Serie Plueschtiere saugnapft. Auch hier Marienbild oder Sohn, zudem schriftliche Glaubensbekundungen, gross ueber die ganze Breite. Und wenn sie in einer engen Kurve auf der Gegenspur am ueberholen sind, so bekommt "In Jesus vertrauen wir" eine neue Bedeutung. Glauben zum mitfiebern.


Der Glaube faehrt mit, in den Koepfen der Fahrer und wird am Strassenrand formuliert. "Jesus ist Buerger von" und dann der Dorfname, an dessen Rand man sich befindet. Manchmal die Abstraktion auf einem grossen Plakat, "Jesus es el señor". Ein Emailschild ueber dem Hoteleingang, das verkuendet: "Jesus ist mit denen, welche in diesem Hotel uebernachten". Nuetzt es nix, so schadets nix, wir haben uns da einquartiert. Jeder kann glauben was er will, bis heute ist uns noch nichts geschehen. Das will was heissen, ich staune immer wieder, woher die Leute das Vertrauen nehmen, die Bremsen ihres lottrigen Trucks seien besser als der altersschwache Motor und uns bei Talfahrt, wenn in Schwung gekommen, wie die Teufel ueberholen. In Ecuador wird immer und ueberall ueberholt, hirnloses Vertrauen an die eigenen Schutzengel und die anderen Fahrer auf der Strasse. Diese Fahrweise fordert ihren Tribut. Dass es sich nicht um einen subjektiven Eindruck handelt, bestaetigt eine Meldung von CNN, wonach das Nachbarland Peru die hoechste Todesrate durch Strassenunfaelle verzeichnet; weltweit.


Dem entsprechend die Beschilderung der Strassen. In Mexico warnen Schilder nicht nur zur "Vorsicht", sondern mahnen den kuehnen Fahrer zur "extremen Vorsicht". Gibt es Strafen, wenn man dann nur ein bisschen vorsichtig faehrt?

In Costa Rica werden Kurven und unuebersichtliche Stellen zuweilen angeschrieben, wobei auch zwischen "Gefaehrlich" und "extrem Gefaehrlich" unterschieden wird.
Erheitert hat mich ein Schild in Ecuador, hier wird am Fernsehen uebrigens Werbung fuer die Autobahn gemacht, welche nun eine Bruecke und vier neue Krankenautos hat, doch sie machen auch Werbung fuer Mehl und Backsteine, auf dem Schild jedenfalls stand: "Die Nationalpolizei arbeitet fuer ihre Sicherheit". Ein Schild in der Kategorie Praevention? Es koennte ja ein falscher Eindruck entstehen, vielleicht. Bei dieser Gelegenheit erwaehne ich noch die leidigen Strassenschwellen. Diese, auch hier in Ecuador zu finden, werden von den Einheimischen "flach gelegte Bullen" genannt werden.

Wenigstens sind die flachen Bullen gut beschildert, was man von den "Reductores" in Zentralamerika nicht immer behaupten kann. Die "Topes", so werden die Willensbrecher in Mexico genannt, heben sich farblich nicht von der Strasse ab und kommt dann ein Schild, Huckel in 100 Metern, und faehrt man ohne Schub zwar, doch noch ungebremst nach vierzig Metern in ein solch mit Teer uebergossenes Betonrohr, so ist alles was bleibt ein leiser Fluch durch die leichten Windturbulenzen im Helm langsam nach aussen getragen.


Die Strassen wollen gebaut sein und so hat jede Regierung Interesse daran, die Bauarbeiter zu schuetzen. Vielleicht ist eben das Versaeumnis dieser Massnahme der Grund, weshalb in Costa Rica auf einer kleinen Bruecke, Betonplatte, 15 Meter lang, zwei Meter hoch, eine Bauzeit von zwei Jahren eingraviert ist.

In den USA werden jedem Fahrer doppelte Strafgelder innerhalb der Bauzone angedroht. In Ecuador warnen Schilder den Mobilisten: "Gefaehrlich, Maenner am arbeiten"... Was wohl effizienter ist?


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Written on the 106th day of trip I - America/Africa
21'169 Km on the road


Route in Ecuador


 
 
 
 
 

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