Knapp 40 Grad, schätze ich und etwa halb neun Uhr morgens. Die Motorräder sind gerade fertig gepackt und wir zufrieden aus dem Hotel ausgecheckt. Wir befinden uns in Theni, einer Landwirtschaftshauptstadt auf gut 300 Metern über Meer, in der Ferne umgeben von den Western Ghats, dem Gebirgszug im Südwesten Indiens. Als wir losfahren hängt in der Luft der Strassen noch der rötliche Staub, aufgewirbelt von der Geschäftigkeit des Vortages. Noch ist es ruhig, und ich kann sogar den gemütlich schnurrenden Motor meiner Royal Enfield hören. Gestern war das bei dem ganzen Verkehr und all den Menschen und Tieren auf denselben Strassen nicht möglich!
Schnurgerade führt uns die Strecke raus in die Pampa. Vor uns baut sich mit jedem Meter den wir uns den Ghats nähern ein Wall von bewaldetem Berg auf. Heiss ist es, der Fahrtwind vermag den Schweiss auf meiner Haut knapp zu trocknen und so verspüre ich eine vermeintliche Kühlung. Plötzlich, was ist das?!? Klack, klack an Helm, Brille und an meinen Wangen! Klack! Schwärme von Insekten, tausende! Ich suche Schutz im Windschatten von Philipp, wir werden noch langsamer und ich halte zusätzlich schützend die Hand vor mein Gesicht. Klack! Auf den nächsten Kilometern wird die Nahrungskette der Natur sichtbar: Erst waren da diese fliegenden Insekten und dann die Echsen. Hunderte und vielfältig in ihrer Art und Erscheinung, wie ich es noch selten sah! Grüne, rote, grosse, kleine, auf hohen Beinen oder wie Schlangen sich am Boden windend. Solche mit Kugelköpfen andere ganz flach, wie die bei uns. Und schliesslich kamen die Vögel.. Eine Slalomfahrt beginnt und gelingt beinahe ohne Verluste… (es waren wirklich total viele Echsen!!)
Mit 17 Haarnadeln kurvt sich die Strasse den Hang hoch und wir uns ihr entlang. Wobei auf einer Höhe von 700MüM plötzlich die Insekten und damit auch die Echsen und Vögel von der Strasse verschwinden. In den Rechtskurven haben wir Regen, in den Linkskurven auf der anderen Seite des Hanges scheint und wärmt die Sonne. Es wird windig und kühl. Der Nebel zieht über die Kuppe auf der Passhöhe von gut 1750MüM und nimmt die wunderbare Aussicht ins Tal. Es folgt eine Schranke: wir sind an der Grenze zwischen den indischen Staaten Tamil Nadu und Kerala. Und wie zur Begrüssung wird man in Kerala am heutigen Tag gerade mal zünftig gewaschen. Wie aus Eimern regnet es und es geht kurvig in ein Tal runter.
Es folgen 30 Kilometer auf welchen ich den Kopf im Nebel habe und es auf der Höhe meiner Knie gnadenlos regnet. Ducke ich mich, erkenne ich eine traumhafte Landschaft rund um mich herum: Teeplantagen, Wasserfälle, eine Kurve an der nächsten. Sandelholzwälder und Bananenpalmen wechseln sich ab mit beeindruckenden und für meine Augen noch immer sehr exotischen Regenwaldgewächsen wie Lianen verhangene Bäume, riesige Bambushölzer und dichtes Buschwerk.
Schliesse ich unter der wunderbar heissen Dusche am Zielort meine Augen, so riecht es immer noch nach feinem Schwarztee und öffne ich dann meine Augen wieder, befindet sich mein Kopf schon wieder im Nebeldunst!
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Written on the 67th day of trip IV - India/Asia/Australia
4'046 Km on the road