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Safari in Indien

Written in India
08/17/2010 by jazz

Am Sonntag, 15.8.10 geht unsere Fahrt weiter- endlich. Denn langsam aber sicher haben wir Ooty gesehen (wir waren sogar im Botanischen Garten und am Bootsverleih am stadteigenen See- very touristisch) und wir haben auch wieder Lust auf etwas mehr Sonne, etwas mehr Celsius und dafür etwas weniger Verkehrssmog. Wir fahren zuerst etwa 20 Kilometer in und um die Stadt Ooty herum, bevor wir die richtige Strasse finden. Wir wollten nämlich nicht die Hauptstrasse Richtung Mysore nehmen, sondern die alte Passroute runter in den Mudumalai Nationalpark. 36 Haarnadelkurven und gut 1000 Höhenmeter hatte diese gute, enge und wirklich spektakulär steile Schlangenstrasse auf gut 30 Kilometern in sich. Immer wieder hielten wir an, genossen die tolle Aussicht auf die nebligen Wälder, Täler und Gipfel rund um uns herum. Oder aber wir schauten einfach dem Verkehr zu, wie sie sich alle mit uns den Berg runter oder hoch kämpften- die überfüllten Minibusse, die zahlreichen Motorräder (150ccm und immer mind. zwei Personen drauf), die Jeeps mit locker mal 15 jungen Männern drin und die Privatautos indischer Reisender; ebenfalls sehr gut ausgefüllt. In jeder Kurve gibt’s ein Gejohle und Gewinke wie bei uns auf einer Chilbibahn. Und wie bei uns an der Chilbi bin ich mir nicht ganz schlüssig, ob das Geschrei aus den Fahrzeugen wirklich Ausdruck von Freude, Spass und Vergnügen bedeuten oder nicht doch ein Abladen von angestautem (Angst)Adrenalin sind. Heute ist indischer Nationalfeiertag und die Stimmung vielleicht auch deshalb noch ausgelassener, als dass ich sie bei den wohlbemerkt jungen Erwachsenen Indern (so zwischen 20 und 30 Jahren) eh schon feststelle. In den kleinen Dörfer stehen heute Boxen mit laut scherbelnder Musik und wer eine Uniform hat, trägt diese heute auch- vom Knaben bis zum Manne.

Ob dies gute Voraussetzungen sind für eine Tiersafari? Dies hatten wir nämlich vor, als wir nach gut zwei Stunden Fahrt an unserem Tagesziel Masinagudi ankamen. Ein Hotel fanden wir schnell und ein Jeep Fahrer und Trekkingführer fand uns schnell- so war noch am selben Abend kurz vor Sonnenuntergang eine Jeep Safari angesagt. Ehrlich gesagt glaubte ich nicht recht daran, hier in dieser Partystimmung (die Lautsprecher gaben alles) auf der asphaltierten Hauptstrasse von Ooty nach Mysore, wo sie alle fahren und hupen, die Jeeps, Busse, Lastwagen und Motorräder, dass wir hier auch nur ein einziges Wildtier sehen würden.

Kurz vor Sechs Uhr abends ging es dann also los. Wir nahmen Platz im alten Jeep und fuhren aus dem kleinen Dorf raus, rein in den dichten Wald. Auf den ersten Kilometern unterhielten wir uns mit dem Fahrer und dessen Begleiter über das Übliche „woher, wohin, wie lange“ Thema. Dann, die Sonne war bereits unter gegangen, wir immer noch auf der Hauptstrasse irgendwo im Wald, stellte der Fahrer den Motor des Jeeps aus und liess das Fahrzeug ausrollen: im Jeep auf Schleichtour. By the way: die anderen Verkehrsteilnehmer überholten uns mit lautem Gehupe! Und dann, stopp- Achtung da hinten ein Bison. Tatsächlich, ich traue meinen Augen nicht! Frisst sich da dieses Riesentier gemächlich eine Schneise durch den Wald, zwei bis drei Duzend Meter vom Strassenrand entfernt! Der Park, so unser Fahrer, sei von 22 Uhr bis 6 Uhr für alle Fahrzeuge gesperrt, dann gehört der Wald den Tieren. Und jetzt, kurz nach Sonnenuntergang kommen sie eben gerne an die Strasse, weil es hier weniger Mücken usw. hat wegen der Abgase. Das sei für die Tiere angenehmer. Zudem können sich die Wildtiere hier in den Weiden nahe der Strasse gut in Gruppen sammeln und so vor den Tigern, Leoparden und Bären schützen. Aha- es hat hier also auch gefährliche Tiere.

Es ist unterdessen stockfinster, wir sind immer noch auf der Hauptstrasse im Jeep irgendwo in diesem riesen Wald mit all den anderen Fahrzeugen wie Lastwagen, Linienbussen und Privatautos, die eben noch schnell wohin müssen, unterwegs. Plötzlich nach einer Kurve stehen einige Fahrzeuge mitten auf der Strasse. Ich erkenne etwa drei Mofas, mindestens einen Jeep, einen Bus und vielleicht zwei oder drei Personenwagen. Ein Unfall? Aber nein doch- ein Elefanten Bulle grast am Strassenrand!! Keine fünf Meter von uns entfernt! Es ist ein ganz komisches Schauspiel, das sich uns in den nächsten 30 Minuten bietet. Da donnern Lastwagen und Linienbusse an dieser Szenerie einfach vorbei während wir und andere gebannt auf dieses Wesen starren. Irgendwann fahren auch wir weiter um tatsächlich noch weitere Elefanten zu entdecken, sogar eine ganze Familie mit Jungtier!

Zurück in unserem Dorf sagen wir dem Fusstrekking am nächsten Tag um sechs Uhr zu, essen noch etwas aus unserem Vorrat und fallen dann, zu lautester Festmusik der Nationalfeiertagsparty in die harten Betten. Pünktlich um elf gehen im Dorf die Lichter und Musik aus.

5.30 ist verdammt früh! Doch das Dorf ist bereits seit einiger Zeit auf den Beinen, die Stände und Tante Emma Lädelchen haben offen und so sind auch wir schnell auf der Strasse beim Stand gegenüber des Hotels und trinken Kaffee. Los geht es wieder mit dem Jeep, aber nur wenige Minuten, dann steigen wir aus und laufen los. Es wäre müssig zu erzählen, dass wir Elefanten, Affen, Rehe, Termiten, Pfauen, Papageien und jede Menge anderer Vögel sowie unzählige Spuren von Bären und Hufgetier sahen. Viel lieber möchte ich Berichten, wie EINMALIG das Wandern in dieser Morgenstimmung in diesem lichten Wald war. Die Wolken hing tief, gaben immer wieder einen tollen Blick auf die umliegenden Berge frei. Die aufgehende Sonne tauchte alles in ein traumhaftes feines Morgenlicht. Die teils skurrilen Baum- und Buschgestalten der Vegetation hier luden förmlich ein zum Träumen und fantasieren, während mich meine schläfrigen Füsse über die satte aber sanfte feuchte Wiese trugen. Drei Stunden Natur Pur- und ganz blutegelfrei!

Als wir zurück im Dorf waren gingen Phil und ich richtig Frühstücken in einem dem Morgenbeizli hier. In Indien scheint es auch für die Einheimischen durchaus üblich zu sein, das Frühstück auswärts ein zu nehmen. Auch das Frühstück ist hier eine warme Mahlzeit. Entweder in Form einer Omelette mit Gemüse drin und scharfen Saucen, oder Reismehlknödel, genannt Idli, ebenfalls mit heissen Saucen oder aber Reiseintöpfe, die von der Konsistenz her am ehesten mit Risotto verglichen werden können. Phil und ich gehen meist so frühstücken (das kostet uns umgerechnet etwa zwei CHF) und sind dann, wie auch an diesem Tag, dem 16.8.10, gestärkt für die Weiterfahrt.

Ab auf die nächste Safari: Mysore (950‘000 Einw.), wir kommen!

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Written on the 29th day of trip IV - India/Asia/Australia
1'227 Km on the road


Route in India


 
 
 
 
 

Fotos around that time

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Helmverkaeufer am Strassenrand
Foto taken around Mysore, India.
Aug 2010
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Gurkenstand in Mysore
Foto taken around Mysore, India.
Aug 2010
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Motorradparkplatz in Mysore
Foto taken around Mysore, India.
Aug 2010
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Jeder Grossstadt ihre Kuehe
Foto taken around Mysore, India.
Aug 2010