Schon seit einigen Tagen ist es mir bewusst und ich spuere es deutlich, es ist Zeit fuer mich, nach Europa zurueck zu kehren. So sehr es mir gefaellt, ich bin muede und auch gesaettigt von den tollen Eindruecken und Erlebnissen der vergangenen acht Wochen. Auf der Webseite der letzten Reise habe ich einmal geschrieben, man soll nur in geistig und koerperlich fittem Zustand zu so einem Abenteuer aufbrechen. War ich das? Fuer Jazz und mich war diese Reise von ihrem Ursprung her als Test geplant. Um zu sehen, was noch geht, wie es geht. In diesem Sinne hat uns diese Reise genau das geliefert, nach was wir suchten: Erkenntnis!
JP Power
Bis jetzt ist alles so perfekt gelaufen, so soll es bleiben. Im Moment, an dem meine Heldin temporaer die Kraft verlassen hat, spuere ich wieder einmal deutlicher als sonst, ich brauche sie, alleine schaffe ich das nicht. Seit etwa sieben Wochen wache ich mit Magenkraempfen auf. Bestimmt nichts schlimmes, aber es macht trotzdem Angst und die schwaecht, macht unsicher. Gluecklicherweise und ich weiss nicht wie, schafft meine Heldin - und es gab und gibt immer wieder Deppen, die sie auslachen, wenn sie sehen oder hoeren, dass eine Frau von 153cm Koerpergroesse eine KTM faehrt, Enduro! - die 265Km nach Ulan Bator. Asphalt? Nur auf der Karte! Ich moechte den Kerl sehen, der mit mir, im Zustand von Jazz, die 100Km Baustelle uebersteht und als Dessert bei 30 Grad Hitze ein Hotel im Stadtzentrum sucht!
Jetzt relaxen! Aha, gut. Den Ruecktransport haben wir ja schon lange zu Hause geplant. Dann muessen wir ja nur noch zum Flughafen und sagen: "Wir sind da!". Und sie werden antworten: "Yeah! Wir haben auf Euch gewartet!". Nein. Aber es geht auch so. Transportfirmen reagieren nicht auf elektronische Anfragen. Fassade toll, Hinterhof chaotisch. Etwa 10 Telefonate braucht es bis wir das Rad in Schwung bringen. Der Rest? Geschichte. Treffen hier, treffen da, Fahrt zum Cargo-Flughafen, doch wieder zurueck. Meetings, muendliche Vertraege (das zaehlt in er Mongolei noch was) und handschriftliche Bitten an den Zoll, unsere Motorraeder doch bitte auch wieder ausfuehren zu duerfen. Motorraeder zum Frachthof, auseinandernehmen, verpacken. Personenfluege koordinieren. Tickets kaufen. Am Ende fuer Transport Geld auftreiben (nicht so einfach, auch nicht in UB) und zur Kroenung die Papiere in Empfang nehmen. Korean Airline: Status confirmed. 36 Stunden haben wir dazu gebraucht.
Muesch daenn luege, s'chan chalt waerde!
Seit wir los gefahren sind loest eine Hitzewelle die andere ab. Heute sind es am Schatten erfrischende 28 Grad Celsius. Am Wochenende erwarten uns wieder 32 Grad. Die kaelteerprobten Mongolen schmachten, man geht dem Schatten nach, wo er sich anbietet. Es ist viel zu heiss und trocken fuer die Jahreszeit.
Arm nicht bloed
Die Sprache klingt nach Kauderwelsch. Wortlaute die klingen, als seien die Sprechenden arg erkaeltet oder leidend an Sauerstoffmangel.
News-Meldung der MIAT, der mongolischen Nationalairline (sie haben noch eine!): "2008-05-20,
MIAT will own its first aircraft".
An der Mathematik- Olympiade 2008 belegt ein Mongole den 5. Rang.
Die obligatorische Schulzeit wird auf 12 Jahre erhoeht.
Judoka
Wir betreten die Hotellobby. Viele Gesichter starren auf den Fernseher. Kerle verkneifen eine Traene, Weiber kreischen. Die Zeit wurde angehalten, eine Sekunde vor Ende des Kampfes. Der Mongole fuehrt 120 zu 1 (???). Die Sekunde vergeht, grosser Jubel, ein Fest die ganze Nacht. Die erste mongolische Goldmedallie an olympischen Spielen seit der Revolution 1990!
In Boxen sind sie auch gut im Rennen. So schaue ich auch Boxen. Beim Judo ziehen sich die Opponenten immer gegenseitig den Bademantel aus, zerren und reissen. Dann denke ich immer: Hau ihm doch einfach eine rein!
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Written on the 71st day of trip II - Austria-Russia-Mongolia
6'843 Km on the road