"You know, I'm architect; it hurts!", so die Worte von Horacio zum Thema Hotelzimmer. Der argentinische Italiener, der in Spanien lebt und an der Mongol Rally teil nimmt hat Recht. Wir lachen viel, als wir gegenseitig von unseren Unterkuenften erzaehlen. Kein Zimmer ohne Kabelbrandspuren, Tapetenkombinationen die an die Pullover Jan Ullrichs erinnern und was so gemuetlich die Nacht durch plaetschert ist nicht der nahe Dorfbach, sondern die leckenden Wasserleitungen. Diese nicht nur im Bad zu finden, oefters auch quer durchs Zimmer, unter oder ueber dem Teppich oder auch mal wie eine Stripteasestange, mitten im Zimmer vom Boden zur Decke. Solange die Duscharmaturen nicht unter Strom stehen muss man das einfach mit Humor sehen und sich neugierig auf die naechste Nacht freuen.
Mongolei ist top
Die Stromdusche haben wir ueberlebt und so moechte ich es nicht auslassen, mich positiv zu aeussern. Die Betten in der Mongolei sind allesamt top, auch in den uebelsten Loechern. Die chinesischen Matratzen sind zwar dick, doch bickelhart gefedert, wie ich es mag. Nicht diese durchhaengenden Pritschen wie sie einem in den schweizer Hotels oefters zugemutet werden.
Mit der Ernaehrung stehts wirklich ein wenig im Argen, was die Vielfalt anbelangt. Doch Leute, die Brote sind Extraklasse. Simple Brotlaibe mit halbdunklem Mehl. Vom Geschmack koennen sie mit meinen Top-4 Nationen Deutschland, Oesterreich, Schweiz und Costa Rica mithalten. (Ich habe jetzt eine Top-5 Liste). Ausgewogener Geschmack mit der richtigen Menge Salz und Hefe.
So viel ist 90 Grad
Am Nord- oder Suedpol kann man in fuenf, sechs Schritten um die Erde latschen, da braucht es keine 80 Tage. Da wir uns immer zwischen dem 45. und 56. Breitengrad befanden (das ist etwa zwischen Milano und Goeteborg), bedeuten die 90 Grad gen Osten auch nicht ueber 10'000Km Luftlinie, wie das am Aequator der Fall waere. Trotzdem ist es nicht ganz wenig. Die Gleiche Drehung in die andere Richtung, also nach Westen, liesse uns nicht in den Atlantik plumpsen, sondern braechte uns in die Naehe von Detroit. Der Unterschied? Hier roter Stern, dort Red Wings!
Nasennavigation
Ueber die Wege habe ich schon geschrieben. Es blieb und ist weiterhin fantastisch. Wer Enduro sucht bekommt in der Mongolei reichlich, in allen Variationen. Die Annahme, die Hauptachse bestehe aus nur gut praeparierten Schotterpisten ist falsch. Fragt man Einheimische nach dem Strassenzustand, so bekommt man sehr verlaesslich das zu hoeren, was man hoeren will. Also je nach Betonung und Gesichtsausdruck beim fragen wird ihnen versichert, dass es auf dem entsprechenden Abschnitt keine einzige Sandstelle gibt oder eben nichts ausser tiefem, weichen Sand. Fragen ist ohnehin sinnlos. Dadurch dass sie wissen, dass die Strasse schlecht ist, wird sie auch nicht besser. Proviant fuer eine spontane Uebernachtung in der Steppe ist unbedingt empfehlenswert.
So navigieren Jazz und ich der Nase nach. (Melde mich bald als neue Vogelart an). Manchmal bringt uns diese Technik ziemlich ins Kraut und zugegeben, mir wird es dann dabei schon recht mulmig in der Magengegend. Das Herz jauchzt vor Freude, wenn ich dann nur schon wieder einen Telefonmasten als Zeichen der Zivilisation erspaehe.
Es ist lustig. Zu Hause suche ich am Wochenende gerne etwas Abgeschiedenheit in den Bergen. Hier in der Mongolei winke ich reflexartig jedem Fahrzeug und allen Mopeds oder Reitern zu, die ueber die Steppe gefahren kommen. Aus Freude, nicht mit Jazz alleine zu sein. Und hey, schliesslich winken auch praktisch alle zurueck!
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Written on the 68th day of trip II - Austria-Russia-Mongolia
6'578 Km on the road