Um 6 Uhr werkelte Phil bereits am Gepaeck herum. Zeit also auch fuer mich, aus dem Schlafsack zu kriechen. Draussen ist es bereits taghell aber noch angenehm kuehl, wie ich auf meinem Gang zum Plumsklo feststelle. Das Fruehstueck, seit 6 Wochen Haferflocken mit Milch und Banane, ist schnell gegessen, gepackt ist noch schneller und schon sind wir weg. Die Strasse fuehrt uns hinauf auf 2000MueM an die Grenze zur Mogolei. Dort stellen wir uns als fuenfte in die Kolone, etwa 400m vor dem Zollhaus. Wir warten knapp 2 Stunden, bis wir im ersten Rutsch weiter gewinkt werden. In diesen 2 Stunden kommen wir mit den spanischen Rallyefahrern ins Gespraech. Die eroeffnen uns, dass an ihrer Rally 300 Autos teilnehmen, alle mit max. 1000cm3. Wir werden also nicht alleine sein...
Ausreisen dauert, Einreisen geht flott
Die Ausreise dauert 4 Stunden. Alles laeuft ruhig und geregelt ab und wir haben in diesen 4 Stunden doch einiges zu tun: Zettel ausfuellen, anstehen, Stempel holen, Papiere immer mal wieder zeigen, Motoradkontrolle, Gepaeckkontrolle (wobei wir immer nur kurz eine Tasche oeffnen muessen- das wars) und und und. Dann noch etwa 3 Schranken, wo wir jeweils nochmal alles vorweisen muessen und dann etwa 20 km weiterfahren auf 2400MueM. Dann erscheint eine weitere Schranke, nochmals alle Papiere zeigen, noch ein Stempel. Wir stehen immer noch auf Asphalt. Vor uns ein gigantisches Tor, ein Zaun links und rechts bis zum Horizont. Dahinter eine sandige Fahrspuhr und weite Steppe. Jetzt kommt die Mongolei! Nach einigen schwammigen Kilometern Kiespiste, meine Beine zitterten vor Aufregung, taucht der mongolische Zoll auf. Dort zuerst eine Waschstation (ohne waschen zu muessen), dann Papiere einmal zeigen, Zollerklaerung ausfuellen, Motorradkontrolle und die gewohnte Gepaeckkontrolle. "Welcome to Mongolia" mit einer Salutation! Es klingt wie Musik in meinen Ohren. Ich bin hier, mit dem Motorrad- einfach wunderbar. Ab zur naechsten Schranke wo wir eine Motorradversicherung kaufen. Eine Stunde hat die Einreise gedauert und wir duerfen rein ins Abenteuer.
Hoppla, wie ging das schon wieder?
Ich muss es zugeben, auf den ersten Kilometern hatte ich ganz schoen das Knieschlottern und den Kaltschweiss auf der Stirn. Offroad! Kann ich das noch? Was hat Phil noch gesagt, nur immer genuegend Tempo, dann klappts schon. Okay, mutig sein und los. Auf unseren ersten 60km Offroad war schon fast alles dabei, was es an Untergrund so gibt: gute Kiestrasse, tiefen Kies, harte Erdstrasse, staubige Erdstrassen, Sanduntergrund und felsig war es auch schon. Nur Schlamm hatten wir noch nicht. Die Strasse ist manchmal schoen breit und eben, dann wieder kurvig, eng, tief verwaschen und holperig. Und von wegen nicht alleine: die anderen Touris sahen wir erst wieder in Olgii und einmal unterwegs von weitem, als Phil und ich die falsche Abzweigung waehlten und anhand deren Staubwolke wieder auf den richtigen Pfad zurueck fanden. In dem wir umkehrten? Nein, querfeldein ueber die Steppe- ich fahre Phil wirklich ueberall hin nach!
Olgii ueberrascht
Bei Ankunft in Olgii galt es erst mal, ein Hotel zu finden, Geld zu wechseln, Essen und Getraenke ein zu kaufen und heraus zu finden, wie wir uns hier am besten verstaendigen. Russisch ist nach wie vor nicht schlecht, die jungen koennen sogar etwas englisch. Das Schriftbild ist nach wie vor kyrillisch, die Sprache aber etwas, das in meinen Ohren klingt wie ein Gemisch aus Chinesisch, Russisch und Arabisch.
Die Menschen hier sind klein, braungebrannt, in Gesicht und Haenden vom rauhen Klima und dem strengen Leben hier oben (1800muem) gezeichnet. Man erhaelt schnell ein Laecheln, schnell kommt man ins Gespraech, auch wenn der eine den anderen nicht versteht. Uns erinnert hier die Landschaft, die Menschen und die Infrastruktur start an Peru. Es gibt Autos, nicht nur die der Touris, doch viele Einheimische fahren Motorrad. Wie die zwei froehlichen Jungs, die wir auf einem Mongolischen Pass (2646muem) antrafen. Die kamen zu zweit auf einer alten Motorradkiste angefahren (querfeldein), das Motorrad hatte unter anderem auch keinen Staender mehr. Kein Problem, sie verkeilten einfach das Jagdgewehr so mit Toeff und Motorrad und Untergrund, dass die Sache stand. Dann lachten sie uns an, oder aus und wir lachten mit und irgendwann boten sie uns aus einer Gallone, die so alt aussah wie ihr Motorrad, von ihrem Ziegenmilchschnaps an. Wir lehnten dankend ab, wir muessen ja noch fahren- und wieder ein Lachen. Tja, und irgenwann fuhren sie dann lachend wieder davon- querfeldein, versteht sich.
Wir haben hier, sehr zu unserem Erstaunen, Handyempfang und Internet. Tankstellen kann man sich aussuchen, das Benzin aber nicht. 80er und 92er ist zu haben. Die Tante-Emma-Laden sind noch immer zahlreich, doch das Angebot massiv kleiner als in Russland. Die Produkte stammen meist aus China, und nicht etwa aus Russland. Und erstaunlich viele deutsche Produkte gibt es hier auch. In den Laeden gibt es immer eine Riesenauswahl an Bonbons (an die 100 Sorten), Seife, Waschmittel, Wasser, Fanta, Cola, Brot, wenig Getreide (noch kein Hafer gefunden), etwas an Dosen (Fisch, Erbsen, Tomatensauce), Aepfel (klein), Karotten, Wurst, Fleisch und Eier. Und natuerlich vieeel Alkohol, vor allem hoch%ig.
Viel zu tun
Phil und ich bleiben zwei Tage hier. Wir haben an den KTM's rumgewerkelt (div. Schrauben anziehen, Luftfilter wechseln und Speichen pruefen), sind ins Internet, Kleiderwaesche, relaxen und nicht zu vergessen, die totale Sonnenfinsternis am 1.8.08 bestaunen, von der wir vor vier Tagen erfuhren. Wir kaufen Vorrat ein, denn wir haben keine richtige Vorstellung davon, wie es auf den naechsten Etappen Richtung Ulaan Bator werden wird mit der Versorgung, den Unterkuenften und und und.
Es ist ein weiterer Traum, den wir hier erleben duerfen. Jeder Tag ein Geschenk, jeder Moment ein Glueck. Wir geniessen die Natur, die Menschen, das Hier und Jetzt.
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Written on the 59th day of trip II - Austria-Russia-Mongolia
5'247 Km on the road